Hat die Eisenbahn Zukunft?
Dieses Jahr im September sind es 125 Jahre, dass die Eisenbahnstrecke , die den Gotthard und damit Nordeuropa mit Genua verbinden sollte, eingeweiht wurde.
Am 8. und 9. September soll dieses enorm wichtige Ereignis im internationalen Bahnhof von Luino gebührend gefeiert und in Erinnerung gebracht werden.
Als der 100. Jahrestag dieses Ereignisses war, habe ich meinen Kindern das Spektakel nicht entgehen lassen.
Zur Feier des Tages waren alle Bahnhöfe renoviert worden und es war eine Freude, auch mit kleinen Kindern auf Entdeckungsreise zu gehen.
Heute scheint das alles nicht mehr wahr zu sein.
Ein trauriges Bild, das ich nicht nur hier in Pino, sondern auch ein bisschen überall am Lago Maggiore, in Italien und auch in Deutschland entdeckt habe ist folgendes:

Die Bahnhöfe, die früher die Visitenkarte eines Ortes waren und versuchten sich immer von der besten Seite zu zeigen, liegen heute vielfach verlassen, meist – um nicht zu sagen immer – vernachlässigt und dekadent da und gammeln zum grossen Teil einfach vor sich hin.
Um die Gartenanlagen kümmert sich niemand mehr, auf den Bahnsteigen wuchert dass Unkraut und Bänke, die früher die Reisenden zum Verweilen eingeladen haben sind heute vielfach nicht mehr geeignet, noch gebraucht zu werden.
Die Züge, die früher jede Stunde, von morgens früh bis spät Abends zwischen Bellinzona und Luino hin und her gefahren sind, fahren heute nur noch alle zwei Stunden dazu sind sie meist leer, wenn man mal vom Mittwoch absieht, weil dann doch viele Tagesausflügler aus der Schweiz zum Markt nach Luino fahren.

Die Fahrkarten muss man sich heute meist aus unpersönlichen Automaten ziehen. Das Personal, soweit überhaupt noch welches vorhanden ist, hat damit nichts mehr zu tun.
Wofür sind sie überhaupt noch da?
Um die Schranken am Bahnübergang in Zenna zu betätigen?
Das kann man auch noch automatisieren!
Dann vergammelt auch der Bahnhof in Pino noch mehr, als er es so wie so schon ist – leider.
Die ganze Strecke wird fast nur noch von Güterzügen befahren. Da der Bahnhof von Pino eine der wenigen Stellen ist, wo die Strecke zweigleisig ist, bremsen die Züge meist fürchterlich quietschend um den entgegen kommenden vorbeifahren zu lassen.
Dabei war es einmal ganz anders.
Paolo hat seine erste Arbeitsstelle in der am Bahnhofs Buffet in Luino gehabt.
Morgens früh um halb fünf rannte der Vierzehnjährige von zu Hause aus, meist ohne Frühstück los um mit dem 1. Zug nach Luino zur Arbeit zu kommen.
Er war so klein, dass er dort eine Fussbank brauchte, um an die Kaffeemaschine bedienen zu können.
Wo er sich dran erinnert, sind die zahlreichen Sonderzüge, die während der olympischen Spiele in Rom 1960, aus dem fernen Norden kommend in Luino gehalten haben, weil an dem internationalen Bahnhof die Schweizer Lokomotiven gegen die italienischen ausgetauscht wurden.
Der Stepke ging dann mit einem Bauchladen an den Zügen längs und schrie das einzige Wort, was er auf englisch konnte “Ice cream, Ice cream“.
Oder die Holländer die in ihren Holzschuhen angereist kamen und vier – fünf Capuccinos hintereinander tranken.
Heute reisen fast alle mit Autos an oder durch.
Auch die Arbeiter, die früher mit dem Zug in die Schweiz zu ihren Arbeitsstellen fuhren, benützen heute nur noch selten den Zug, lieber rasen sie mit Ihren eigenen vier Rädern über die Uferstrasse.
Aber die Fahrzeiten der Züge sind auch für die meisten so ungünstig, dass es eine Strafe ist, sich auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu stützen.
Ebenso geht es den Schulkindern.
Etwas besser ist es geworden, seit seit ein paar Monaten jetzt auch ein Bus von Luino aus zum Grenzübergang in Zenna fährt.
Wer weiss, vielleicht ändert sich ja doch einmal etwas an der Situation…
Heute kommt man ja mit dem Billigflieger oft sehr günstig bis nach Malpensa.
Von hier aus verkehrt ein Pendelbus zum Bahnhof in Gallarate von wo aus man mit der Eisenbahn nach Luino kommt.
Hoffen wir es mal, das unsere phantastische Gegend auch von Nutzern der öffentlichen Verkehrsmittel wieder entdeckt wird.
Vielleicht werden dann ja auch die „Oberen“ mal wieder wach und lassen zu, dass Eigeninitiative akzeptiert und prämiert wird – die Bahnhöfe wieder einladender werden und die Frequenz der Züge, der hoffentlich steigenden Zahl der Reisenden angepasst wird.
Vieleicht will sich auch jemand den Bahnhof “Pino /Tronzano” ansehen, wo der Nobelpreisträger Dario Fo von Schokoladendächern in der gegenüberliegenden Schweiz träumte.
Wahrscheinlich ist es alles nur eine Illusion von mir, aber ich bin Optimist.
Am 10. Juli 2007 um 16:44 Uhr
toll wenn die leute die Bahn wieder nutzen. mit dem Tipp von Malpensa nach Luino kennte ich nicht. was ist eigentlich mit Luino – Maccagno Milano für einen tagsausflug? gibt es da eine gute Zugverbindung? Mit dem klimawandel kommen die Züge wieder im Trend, ich glaube schon dran.
philippe aus Lüneburg und campagnano
Am 11. Juli 2007 um 15:15 Uhr
hallo Philippe, am besten fährt man morgens um kurz vor halb acht von Luino aus los. So at man den Tag vor sich. Nachmittags fahren dann verschiedene Züge zurück. Ja, ich nehme auch am liebsten öffentliche Verkehrsmittel.
Da wird immer davon gesprochen, man soll das Auto stehen lassen und mit Zügen oder Bussen fahen, aber es ist nicht immer einfach, oder aber zeitaufwendig.
Gallarate, der Bahnhof in der Nähe des Flughafens Malpensa,liegt auf der Strcke von Mailand nach Luino. Es gibt nicht die meisten Verbindungen, aber immerhin.
Ich wünsche Dir viel Spass beim Fliegen