Der Zug, der vereint

Heute möchte ich Euch mal wieder etwas über unsere Eisenbahn erzählen.
Seit einiger Zeit dürfen die Angestellten in unserem Bahnhof (Pino Tronzano) keine Fahrkarten mehr verkaufen, dazu gibt es jetzt Automaten. Man sollte dort aber möglichst Kleingeld reinwerfen, denn Wechselgeld, so wie früher, gibt es dort nicht mehr.
Man erhält jetzt – zusammen mit den Fahrschein und auch genau so aussehend einen Gutschein, mit dem man sich den Rest am Schalter im Bahnhof von Luino abholen kann.
Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht.

Als mir diese Geschichte vor ein paar Tagen passiert ist, stand ich erst einmal da und überlegte, ob man mit diesem Gutschein jetzt wohl beim nächsten Mal wieder eine Fahrkarte bekommt? Ich habe dann unseren Bahnhofsvorsteher gefragt – zum Glück spreche ich ja italienisch – und er hat es mir erklärt.
Was macht aber jetzt ein Urlauber, der ja nicht unbedingt die Sprache der Einheimischen beherrscht?

• Entweder kommt er selber drauf – Schwierig.
• Er findet jemanden der es weiß und ihm erklären kann – wenn er Glück hat.
• Oder er ist sauer verärgert und genervt, weil er nicht weiß, wie er an sein Wechselgeld kommt. Bei einem Fahrpreis von 1,60 € von Pino nach Luino sind es immerhin 8,40 €, wenn man einen 10,00 € Schein in den Banditen geschoben hat.
• Oder er hat Kleingeld dabei – vielleicht auch, weil er diesen blog gelesen hat?

Da werden superneue ZĂĽge auf der Strecke eingesetzt, der TILO , auf dem groĂź steht „Il treno che unisce“ – „der Zug, der vereint“ . . .


Tilo Zug
Zug Tilo

Vieleicht sollte man statt teurer neuer ZĂĽge, die von fast niemandem mehr benutzt werden, das Geld anders ausgeben?

Tilo im Bahnhof
Tilo im Bahnhof

Unsere “alten” wĂĽrden ihren Dienst gerne noch einige Jahre tun.
Wenn die Bahnhöfe ein bisschen einladender wären . . .

Bahnhof
Bahnhof

Wenn es zumindest Infos geben wĂĽrde, wie es mit den Automaten funktioniert. Die Angestellten haben keine Schuld, sie haben ihre Vorschriften.
Die meisten sind auch sehr nett und geduldig – nur deutsch sprechen die wenigsten.

Ich wĂĽnsche mir einen Bahnhof, der die Visitenkarte unseres Dorfes ist, so dass die Urlauber auch wieder gerne mit der Eisenbahn fahren.


Bahnhof Asusicht
Aussicht vom Bahnhof aus

Wer weiĂź, wenn die Fahrzeiten gĂĽnstiger wären, vielleicht wĂĽrde er auch wieder genutzt um zur Arbeit zu fahren – aber der Zug ist wohl abgefahren, mittlerweile fahren alle mit dem Auto, ganz einfach, weil er sich dazu gezwungen sah.

Hat die Eisenbahn Zukunft?
125 Jahre Gotthardbahn (Teil 2 – Film)

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